Die Belagerung hält an…

Mein vorangehender Artikel entstand heute morgen um ca. 7.30 Uhr.
Mittlerweile ist es 14.00 Uhr, und ich erlaube mir einen Nachtrag.

Seit der morgendlichen Live-Berichterstattung ist alles, was Räder und/oder ein Motörchen hat, hier vorbeigeknattert. Und der Rundum-Belagerungszustand hält noch immer an. Es ist ein bisschen so, als wäre ich gefangen in einer Dauerwerbesendung eines Teleshopping-Kanals für Greenkeeper und Freunde des ultimativ getrimmten Gartens. Kurz: Freaks. Permanent bricht ein neuer fleischgewordener Alptraum aus dem Unterholz…

Inzwischen war aber auch schon zweimal der Sheriff hier – nicht wegen der Laub raspelnden Gauchos da draußen – nein: er wollte auf der kleinen Dorfstraße heute mal ein wenig deutlicher Präsenz zeigen und hat dabei gleich mehrfach seine neue Sirene probegefahren.
Großartig.

;-)
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Umzingelt…

Unser Urlaubsdomizil im sonnigen Florida hatten wir mit Bedacht gewählt. Ein Haus in einer kleinen Siedlung innerhalb eines Golf-Resorts, direkt am fünften Fairway gelegen, mit Blick über einen der schönsten Golfplätze. Eine gepflegte Anlage, der perfekt entspannende Blick ins Grüne, gepaart mit etwas Voyeurismus, den man auf Höhe der in der Drivelandezone gelegenen Bunker (und weiterer vier Bunker in Sichtweite) schon ganz automatisch im Laufe der Tage entwickelt.
Perfekt. Einfach perfekt.

Doch das, was sich beim abendlichen Sundowner-Drink auf der privaten Terrasse noch als der ultimative Friedensplatz der Welt inklusive Grillenzirpen und rotgoldenen Strahlen der tiefstehenden Sonne, die pittoreske Bunkerlandschaften, Abschläge und Grüns wahrhaft filmreif in Szene setzen, erschien, entpuppte sich im frühen Morgengrauen als Kulisse eines ganz privaten Horrormovies.

Pünktlich mit dem Tageslicht fiel eine gut fünfzehnköpfige mexikanische Gärtnercrew über das Gelände her. Wie die Heuschrecken machten sie sich mit allen nur möglichen, krachbringenden Gerätschaften über Büsche, Hecken, Bunker und Fairways her, als gäbe es kein Morgen mehr. Zwei feuerrote XXL-Mäher mit Nebelscheinwerfern bearbeiteten die Fairways, während zwei kleinere Aufsitzmäher die Abschläge und Grüns manikürten. Dazu ein ebenfalls motorisierter Mexikaner, der mit einem Laubpuster alles Lose (inklusive jeder Menge Sand) lautstark und ausdauernd aus den Bunkern beförderte – zehn Minuten je Bunker. Zur Erinnerung: Es liegen insgesamt sechs Bunker in unserer Sicht- und damit auch Hörweite!

Diesem fröhlichen Gesellen folgten zwei Fahrzeuge, die in schwindelerregenden Kreisen und Geschwindigkeiten die Bunker harkten, anschließend (selbstverständlich bei laufenden Motoren) ausstiegen und nun die Bunkerkanten mit dem Laubrechen harkten. Natürlich wurde bei alldem lauthals spanisch kommuniziert…

Mittlerweile hatten sich die übrigen Ponchoträger durch die Siedlung gearbeitet und erreichten nun auch glücklich unser einst so friedvolles Häuschen mit ihren Heckenscheren und Motorsensen. Nun werden sie sagen: Wieviel Krach macht schon so eine kleine Heckenschere? Wer sagt Ihnen, dass sie klein ist? Hier in Amerika ist nichts klein, auch nicht die Heckenscheren. Es handelt sich vielmehr um ein ca. 2,5 m lange Geschütz, an dessen einem Ende – dem leiseren – die rotierenden Messer sitzen. Am anderen, deutlich lauteren Ende der Stange, in dessen Mitte sich ein weiterer Gaucho festhält (er trägt übrigens Ohrenschützer), befindet sich ein Benzinmotor, der mit ohrenbetäubender Penetranz nun auch den hartnäckigsten Urlaubs-Langschläfer aus den Federn röhrt. Und sollte diesen Herrn nun tatsächlich noch jemand überhört haben, für den folgt darauf noch ein freundlicher letzter Weckruf durch einen weiteren Aufsitzmäher, der die Rasenflächen direkt am Haus auf Nagelscherenniveau herunterstückelt.

Dazu sollte ich kurz erwähnen, dass die Crew einmal wöchentlich ihren Zug durch die Gemeinde veranstaltet – Unkraut und Triebe also überhaupt keine Chance haben, sich ernsthaft und zu ansprechender Größe zu entwickeln. Aber: wehret den Anfängen…!

Nicht vergessen möchte ich am Ende aber die Abschlusscrew, bestehend aus zwei alten mexikanischen Frauen mit sonnengegerbter, faltiger Haut und großen, breitkrämpigen Strohhüten, die zu Fuß der motorisierten Kolonne folgen und in großen Bottichen, die sie hinter sich herziehen, die Laubabschnitte und das ein oder andere Unkräutchen einsammeln. Sie sind bestückt mit Laubharken und – viel wirkungsvoller – zwei an ihren Gürteln befestigten Transistorradios, aus denen unablässig spanische Wortbeiträge dröhnen. Und wenn Sie jemals in Ihrem Leben spanische Radiowortbeiträge gehört haben, dann wissen Sie, dass diese in Stakkato und Temperament einem beständigen Streitgespräch gleichkommen. Beide Frauen hören – nichts ist selbstverständlicher als das – unterschiedliche Sender, so dass sie über immer mehr Lautstärke versuchen, ihren eigenen Wunschbeitrag besser verstehen zu können. Schön wird es dann, wenn sie sich über all dem Getöse noch eigene Gespräche um die Ohren hauen.

So erwacht die Siedlung schlagartig zum Leben.
Schön, so ein Urlaubsmorgen – und so friedlich.

;-)
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Suchmaschinen…

Kennen Sie das auch?
oder:
Suchmaschinen im Alltag

Als moderne, informierte Menschen sind wir mittlerweile vertraut mit den gängigen Begriffen von Internet und WorldWideWeb, und jedes Kind weiß heute, was eine Suchmaschine ist und im Zweifel auch, wie sie funktioniert.

Und dabei ist das Prinzip der Suchmaschine nichts Neues, sondern so alt wie…, na, sagen wir: so alt wie das Zusammenleben von Menschen in kleinen und größeren Gemeinschaften.

Nun werden Sie sicherlich anmerken, dass es bei den Höhlenmenschen ja noch gar kein Internet – ja geschweige denn Strom – gab, und natürlich haben Sie Recht. Aber dennoch wusste bestimmt auch unser Freund und Vorfahre Ötzi sich einer Suchmaschine zu bedienen.
Und seine heutigen Neander- Entschuldigung: Nach-fahren, die sich allmorgendlich (nun mit Aktentasche statt Keule) auf den Weg in die raue Realität des Alltags „da draußen“ machen, die Tag für Tag in der modernen Wildnis der Großraumbüros und Hochhäuser den Kampf mit dem Mammon (früher: Mammut) aufnehmen, sie verstehen sich geradezu virtuos auf den Gebrauch solcher Hilfsmittel.
So beginnt der moderne Alltag häufig mit den Worten „Liebling, wo sind meine Socken?“ oder auch „Wo ist meine Krawatte geblieben? Die gelbe, Du weißt schon…“, gefolgt von „Hast Du meine Brille gesehen?“ oder auch so herausfordernden Suchanfragen wie: „Wo hab ich gestern den Ausdruck meines heutigen Vortrags hingelegt?“
Und wie auf Knopfdruck beginnt die Suchmaschine – genannt Gattin, Liebling, Liebste oder in besonders heiklen Fällen auch Süße – mit ihrer Arbeit. Sie durchforstet Gänge und Zimmer, Schränke und Schubladen, schaut an den verwegensten Orten nach den gesuchten Utensilien, durchgräbt Wäscheberge und Papierstapel und fördert in Lichtgeschwindigkeit die gesuchten Gegenstände zutage. Bei dieser Gelegenheit kehren auch unzählige Dinge ans Tageslicht zurück, die sich bisher höchst unterschiedlich langer Abwesenheiten an den verschiedensten Stellen des Hauses erfreut hatten. Nach diesen Örtlichkeiten befragt, quittiert mein Mann diese nur mit einem geknurrten „unlogisch“ oder „kann gar nicht sein“, aber es ist immer wieder erstaunlich, wie oft ich seine Brille auf der Heizungsanlage, seine Schlüssel im Türschloß steckend (von außen, versteht sich) oder den Garagenöffner in seiner zuletzt getragenen Gartenarbeitshose (die mittlerweile in der Wäsche gelandet ist) finde.
Völlig unlogisch, versteht sich, aber sie funktioniert, die häusliche Suchmaschine!

Aber wie auch beim Internet ist es nicht wichtig zu wissen, WARUM etwas funktioniert. Wichtig ist nur, DASS es funktioniert, wenn man es braucht.

Ich muß jetzt Schluß machen – mein Mann sucht gerade seine Handschuhe, die immer im Garderobenschrank liegen – nur heute nicht! Aber ich habe sie im Handumdrehen gefunden, glauben Sie mir! Ich sehe nur schnell auf der Terrasse nach – da hat mein Mann gestern zwei Minuten lang den Vögeln beim Futterpicken zugesehen. Schal, Mütze und Jacke habe ich anschließend im Wohnzimmer eingesammelt… Völlig unlogisch, aber es funktioniert! ;-)
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food AND the show

Sie wissen schon…

Eventgastronomie. Das ist die Idee, neben kulinarischen Genüssen auch noch (mehr oder minder) gut unterhalten zu werden.

Eigentlich kommt diese Aufgabe ja mal grundsätzlich den Leuten zu, mit denen man/frau an einem Tisch sitzend den Abend zu verbringen gedenkt, aber im Zeitalter des Sich-immer-weniger-zu-sagen-habens baut man sicherheitshalber vor und besucht Örtlichkeiten, an denen Fremdunterhaltung gleich mit auf der Speisekarte steht.
Das kann dann auch gehörig ins Auge gehen, denn wer will schon das Fleisch vom allabendlich engagierten Feuerschlucker flambiert sehen oder beim Abschlussespresso die Zukunft aus dem Kaffeesatz gelesen bekommen?

Da lob ich mir die unfreiwilligen und meist gastronomie-unabhängigen - weil gäste-initiierten - Spontanevents wie das folgende:

Ein Mann betritt das italienische Restaurant in Begleitung zweier Damen. Er: Typ schwitzender Endsechziger im gefühlten fünften Frühling, verlebtes Äußeres, fleischige Finger, hemdsärmelig, für jedweden Geschmack zu jovial. In seinem festen Umklammerungsgriff die vollschlanken Hüften einer überschminkten Mittfünfzigerin.

„PonnStorno, Enzo!“ grölt es ins Lokal. Eilfertig nähert sich der Nudelbube zur Begrüßung.

„Das ist meine Freundin. Darfste aber meiner Frau nich sagen, wenn wir das nächste Mal kommen, ne?! Und das, das ist Gisela. So, und wo sitzen wir nun?!“

Ich gratuliere an dieser Stelle Enzo zu seinem unerschütterlich-unbeeindruckten Gesichtsausdruck!

Ja, DAS ist wahre Eventgastronomie.

Oder einfach nur geschmacklos.

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cool…!

Sie wissen schon…

Coolness. Das ist dieses tolle Gefühl, wenn man andere – aber glauben Sie mir: vor allem sich selbst – tief und nachhaltig beeindruckt hat.

Einen besonders coolen Moment durfte ich kürzlich erleben –

Tatort: Parkhaus.
Darsteller: BMW 3erCabrio, Er (männlich, um die dreißig, schätzungsweise eine Tube Gel im Haar, Sonnenbrille auf ebendiesem), sein Autoradio, Snoop Dogg.

Snoop Dogg hört mal als erstes. Der Rap hämmert durchs Parkhaus, lange bevor man dieses Paradeexemplar der Coolness noch vor der Schranke sehen kann. Parkschein gezogen, lässig hinter die Bügel der Sonnenbrille geklemmt und im Affenzahn rein ins Parkhaus.
(Merke: Sonnenbrille hochschieben VOR der Einfahrt. Erstens hält das Parkticket dann besser. Zweitens sieht man mehr.)
Soweit so gut.

Nach forschen zweieinhalb berapten Metern im eleganten Bogen – zack – auf den nächsten Frauenparkplatz.

DAS ist wahre Coolness!

Oder einfach nur doof.

kb ©2008

Naturtalente

Glauben Sie mir…

ein sicheres und gewandtes Auftreten ist das A und O im Leben. Und eine gewählte Ausdrucksweise ist dabei nun wirklich nicht hinderlich. Es stehen in der Welt schon genügend Fettnäpfchen herum, in die wir in diesen furchtbar dunklen Momenten unseres Lebens ohnehin mittenhinein stolpern; da kann man diese überflüssigen Peinlichkeiten, in die man beispielsweise wegen des falschen Gebrauchs eines Fremdwortes oder anderer verbaler Vollpatzer geraten kann, auch einfach auslassen. Und wenngleich Freude per se etwas Schönes ist, so muss man seine Umwelt ja nicht gleich mit Anlässen zur SCHADENfreude überfluten, jener Form von Freude, die doch wahrhaft eine der niederträchtigsten Charaktereigenschaften ist.
Davon sind WIR selbstverständlich völlig frei! Oder? –

Na ja… ich will mal so sagen: wenn es jemand so richtig verdient hat… na? Seien Sie ehrlich: dann luschert auch Ihnen das kleine Schadenfreudenteufelchen über die sonst so kühle Schulter. Ist ja auch nur menschlich.

So wie letzte Woche im Hotel: Die supertolle Rezeptionsleiterin – Sie wissen schon: Marke Businesskostümchen, High heels, blonde Strengfrisur und auch sonst ein Prototyp der ich-kann-eben-doch-alles-besser-Baureihe – hatte wohl einen schweren Tag gehabt. Lästig aber auch, dass frau noch Kolleginnen hat, die vielleicht noch nicht so lange dabei sind. Diese beiden (übrigens sehr freundlichen) Damen saßen mittlerweile schon mit gehetzt-ängstlichem Blick über die kostümierte Schulter in Richtung so-geht’s-ja-nun-nicht-Oberlehrerin am Empfang. Irgendwann setzt dann tatsächlich vor lauter Druck die Hirntätigkeit gänzlich aus und alles braucht seine dreifache Zeit, statt einfach nur die anderthalbfache.
Druck ist eben ein prima Arbeitsklima - wissenwirdoch!

Schön dann zu beobachten, wie Frau Ichkannalles plötzlich ungebremst nach vorn an den Tresen prescht, ihre Kolleginnen mit spitzen Ellbogen ins Aus kickt, ihr pseudo-professionelles Ganzgesichtlächeln anknipst und die neu eingetroffenen Herrschaften lautstark im lehrgangerprobten Über-Serviceton begrüßt:

„Guten Tag, mein Name ist Carmen Weber, ich bin hier für die Empfängnis zuständig!“

Na dann…

kb ©2008

Grenzfälle des Alltags

Kennen Sie das auch?

Wir alle kennen Begriffe wie Demarkationslinie, Sektorengrenze, Gazastreifen, Staatsgrenze oder Grenzübergang – zumindest aber können wir sie ansatzlos einem bestimmten Zusammenhang zuordnen.
Doch wie steht es mit den Grenzen, die uns unmittelbar und alltäglich umgeben? Wie ist es mit unserem Wissen darum bestellt?
Wissen wir zum Beispiel immer die Grenze zu den Gefühlen unserer Mitmenschen richtig einzuschätzen und zu achten? Wissen wir allzeit die Grenzen des Anstands zu wahren und überschreiten wir nicht alle hier und da die Grenzen von Wahrheit und Glaubwürdigkeit?

Hierüber ließe sich nun trefflich philosophieren – mir geht es aber um eine ganz andere Grenze, eine, die insbesondere von denjenigen unter uns oft und gern überschritten wird, die entweder männlichen Geschlechts sind, das Prädikat „jugendlich“ für sich in Anspruch nehmen sich zumindest aber weitestmöglich von der Person unterscheiden, die gemeinhin als Hausmann/-frau bezeichnet wird.

Es geht um die Gicht-Grenze.

Die was, bitte? werden Sie jetzt fragen und verwirrt Ihr medizinisches Basiswissen aus elf Jahren treuen Zuschauerdaseins im TV-emergency room durchforsten. Nun, ich werde es Ihnen erklären:

Meinen eigenen, jahrelangen empirischen Beobachtungen zufolge zieht sich diese magische Grenze durch nahezu jede Küche. Sie verläuft in etwa parallel zur Arbeitsplatte, meist direkt oberhalb der Geschirrspülmaschine. Bis hierhin genau schafft es der zuvor definierte Personenkreis nämlich regelmäßig, schmutziges Geschirr zu transportieren. Direkt hier setzt dann aber ein akuter Gichtschub ein, der ebendiese Personen in der Folge daran hindert, das dort geparkte Geschirr nun auch noch IN diesen ungeheuer praktischen Automaten HINEIN zu verfrachten.
Ein klarer Fall von Gicht, oder was sonst?!

Ebenso krankheitserregend wirken im übrigen die Oberkanten bereits prall gefüllter Mülleimer, die Öffnungsklappen zur Entnahme des Staubsaugerbeutels oder auch Schranktüren, hinter denen sich der Kaffeenachschub oder derart pfiffige Utensilien wie neue Müllbeutel oder Filtertüten verbergen. Die Gicht überkommt den Patienten offensichtlich in unmittelbar kausaler Abfolge mit der Feststellung, dass das Etwas, das man gerade bis zum letzten Rest verbraucht hat, irgendwie auch wieder nachgefüllt werden müsste.

Hier, genau hier kommt der Gichtschub, der den Patienten mit größtmöglicher Grausamkeit daran hindert, die (in der Regel ja vorhandene) Nachfüllpackung nachzulegen. Sehr zur Freude des Nächsten (also meist ich!), der für seinen ersehnten Kaffee zunächst einmal grummelnd die leere Dose anstarren, dann nach der (natürlich leeren) Packung Filtertüten fingern und sich schließlich seinerseits auf die Nachschubversorgungsreise begeben darf.
Ebenso hindert das Krankheitsbild die Infizierten auch daran, Krümel und anderen zumeist störenden Kleinkram nach getaner Arbeit von der Arbeitsplatte oder aus der Spüle zu entfernen. (Einfach prima, so eingeweichte Brotkrumen im ganzen Spülbecken!)

Ansteckend ist diese spezielle Küchen-Gicht scheinbar auch noch… oder haben Sie vielleicht gesehen, wer die letzten Gummibärchen genommen hat – schön, dass er/sie mir wenigstens die leere Tüte im Schrank hinterlassen hat!

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© Karin Buchholz

Ballgefühl

Glauben Sie mir…
diesen Ball hätten Sie auch gern besucht!
Wir schreiben das Jahr 2008 in Niedersachsen, die Abi-Ballsaison ist eröffnet, und junge Abiturienten werden von Lehrern, Eltern, Geschwistern und Freunden ins Erwachsenenleben hineingetanzt. Wir befeiern und betanzen die Leistungen der neuen Generation, sind stolz auf die Kids – und auf uns selbst – dass wir die lange Leidenszeit der Schule nun gemeinsam hinter uns lassen können und widmen uns dem hemmungslosen Ballgeflüster.

Und dann schauen wir uns um…

Ist es nicht immer wieder wun-der-schön zu beobachten, wie diese jungen Menschen sich ballgerecht kleiden – wobei die Auswahl der Garderobe bisweilen an Ver-Kleidung denken lässt. Farblichen wie Grundsatz-modischen Scheußlichkeiten wird hier ein weites Feld geboten, und das Auge ruht – noch schmerzend von den eben gemachten karnevalesken Entdeckungen – aufatmend auf den wenigen Ausnahme-Talenten, die gekonnt den Stil ihrer Persönlichkeit mit a) Farbgebung, b) Kleider- sowie c) Frisuren-Wahl vereinen. Wenn dann auch noch die optische Wahl des Partners am Arm der Dame geglückt ist (wenngleich es unbestritten natürlich eher auf die inneren Werte ankommt), dann avanciert „unsere (einstmals) Kleine“ zur veritablen Ballkönigin. Bravo!

Doch das Auge hat die ebenso verhängnisvolle wie unvermeidliche Neigung, sich stets dem Kuriosen zuzuwenden, und so entdecken wir neben den wenigen Stilikonen eine ganze Galerie unvorteilhafter Abendkleider, gründlich missglückter Make-up-Bemühungen und übriggebliebener Konfirmationsanzüge, in denen die langen Kerle seit Jahren festzustecken scheinen.
Aber nicht zuletzt sind es die übrigen Gäste – Lehrer wie Anverwandte – die dem Ballgeschehen erst seine ganze optische Würze verleihen: Hier erstaunt immer wieder, mit welch wundersamen Mitteln manch mollige Endvierzigerin ihre Rubensfigur ins Abendkleid Größe 38 gepresst hat; wie unglaublich (un-)schick und (un-)jugendlich blaustichige Haartönungen zum schwarzen Negligé-Abendkleid aus den frühen 70ern sind und wie angestrengt das Bemühen manchen Lehrkörpers um Coolness und Jugendlichkeit wirkt.

Nach dem offiziellen Teil kommt es dann zum Schlimmsten: dem Eröffnungstanz! Spätpubertierende, denen auf wundersame Weise jegliche, in ebenso teuren wie endlosen Tanzkursen erworbenen Kenntnisse abhanden gekommen sind, bewegen ihre Elternteile staksig über die Tanzfläche. Die wiederum, also die Elternteile, beißen tapfer die Zähne zusammen und zeigen wahren Großmut. Bisweilen begegnen sich die Verständnis und Solidarität heischenden Blicke der Abi-Eltern zwischen den ruckartigen Walzerdrehungen, und – kaum ist der letzte Takt verklungen – gehen alle erlöst zum Freistil über. Das wäre geschafft!

Ab jetzt aber bekommt das Tanzgeschehen dann eine ganz eigene Dynamik: Der schwungvolle Vieltanzprofi wirbelt (zugegeben beeindruckend und mitreißend) Beine schmeißend durchs Gewühl und metzelt haufenweise Füße, Rippen, Waden der umstehenden und um Haltung bemühten Paare, ganz zu schweigen von den eilends ausweichenden Kellnern und Getränketabletts, denen es im weiteren Verlauf des Abends zunehmend weniger gelingen wird, den Attacken zu entgehen.
Dann der Unauffällige: Er bewegt seine Partnerin wenn schon nicht tanzschulgerecht, so doch zumindest zusammenprallfrei durchs Terrain; sie honoriert dies mit einem ebenso milden wie begeisterungsfreien Lächeln.
Der noch weniger begabte, dafür aber bereits stärker alkoholisierte Gelegenheitstänzer (Marke „einmal-im-Jahr-ist-Schützenball“) zeigt sein wagemutiges Können, indem er Mutti hemdsärmlich mit einem animalisch-männlichen Ruck an sich zerrt, sich in den profunden Speckröllchen in ihrer Hüftgegend verankert und – völlig losgelöst vom aktuell gespielten Musikstück - jeden Tanz zur Polka verzerrt: Seitschritt und Abwärtsruck der Schultern nach rechts, halbe Drehung, Seitschritt und Abwärtsruck der Arme nach links, halbe Drehung rudert er immer mitten hinein in die dickste Menschenansammlung, und stellt dabei einmal mehr seinen Ruf als echte Stimmungskanone und Konditionswunder unter Beweis. Zwar ignoriert er dabei konstant die vergeblichen Versuche seiner Partnerin, doch etwas mehr Abstand zu seinem mittlerweile extrem verschwitzten Körper und zu seiner Alkoholfahne zu bekommen, dafür gibt er sich daueramüsiert und nicht zu bremsen. Ein ganzer Kerl eben…!

So verkommt die flotte Tanzmusik der teuer eingekauften Band bisweilen zum gespielten Witz. Schade eigentlich.
Aber zu fortgeschrittener Stunde ähnelt das Partygeschehen ohnehin mehr einem Querfeldeinrennen als einer ehedem festlichen Veranstaltung. Hemmungen fallen ebenso tief wie der Alkoholpegel steigt; sogar die einstmals schüchternen Streber lockt es zu „Hölle-Hölle-Hölle“-Rufen aufs Parkett, und so manchem entgleitet neben seinen sprachlichen Fähigkeiten auch wieder ein Teil des Büffets…

Einfach schön!
Schade, dass Sie nicht dabei sein konnten.

;-)
© COPYRIGHT 2008 by Karin Buchholz

Schildersprache

Glauben Sie mir…

jetzt weiß ich endlich, woher der Ausspruch „Er lügt wie gedruckt“ kommt! Oder glauben Sie etwa wirklich, dass Sie in der im Krankenhaus ausgeschilderten „Lebersprechstunde“ wirklich mit Ihrer Leber plaudern könnten? Die Leber – das wirkungsvollste Sprachorgan neben dem Mund? Mal ehrlich…!

Oder dies:
Der Bürgermeister eines kleinen Ostsee-Dörfchens ließ wagemutig folgenden Satz aufs geduldige Blech drucken:
„Das Mitnehmen von Hunden am Strand ist verboten!“
Tja, da laufen also nun hunderte von Hunden am Strand herum und dürfen nicht einfach mitgenommen werden, oder wie ist das zu verstehen? Wo kommen die denn alle her, geschweige denn: wo wollen die hin, wenn wir sie schon nicht mitnehmen dürfen? Gehören die alle dem Bürgermeister? Ist er wohlmöglich nebenberuflich Hundezüchter?
Fragen über Fragen!

Also: Das MitFÜHREN von Hunden AM Strand hätte ich ja verstanden; das MitNEHMEN von Hunden AN DEN Strand auch. Aber so?

Es lohnt sich also doch, vor dem Druck noch mal nachzudenken, was man eigentlich sagen will…

Na ja, aber schließlich ist der Mann ja auch Bürgermeister und kein Grammatikmeister, oder?

;-) kb ©2008

Nachgetreten…

Das EM-Fieber schüttelt die Nationen, wirft unterschiedliche Fangemeinden aufeinander und sorgt für emotionale Bewegung. Zum Halbfinale Deutschland gegen die Türkei schlagen erwartungsgemäß die Wogen in deutschen Landen besonders hoch, und allerorten zeigen sich Verantwortliche, Offizielle, Medienmacher und nicht zuletzt die Fußballstars selbst offensiv im Kampf gegen Rassismus und Gewalt, gegen Ausschreitungen und für ein zweites, friedliches Sommermärchen. Mit Erfolg. Selten zuvor haben Deutsche und Türken solch ein Miteinander gepflegt wie hier.
Selbst das Hamburger Abendblatt, auflagenstärkste Zeitung der Region, titelt zweisprachig und druckt – ebenfalls zweisprachig – einen Friedensappell des Chefredakteurs. Unter dem Titel „Freundschaft siegt“(*) bittet er die Fans beider Seiten darum, „bitte nichts falsch (zu) verstehen“…
Nun, da stellt sich dann aber nicht nur mir die Frage, warum der gute Mann sein PS nicht einfach in der Schublade gelassen oder gleich auf dem Computer wieder gelöscht hat: „PS: Eines sollten alle wissen: 22 Mann laufen dem Ball hinterher, und am Ende gewinnen die Deutschen.“
Verehrter Herr Heyl, wozu war das jetzt gut?
Da erzeugen Sie so ein herrliches Wir-Gefühl in Ihrem Leitartikel, und dann treten Sie derart nach?! Schade, bis dahin fand ich Ihren Aufmacher großartig. Und glaubwürdig. Und auch wenn Sie am Ende ergebnistechnisch Recht behalten haben – diese Aktion war deutlich elfmeterverdächtig!
Fairness beginnt bekanntlich im Kopf –
ein schönes Spiel noch…

© COPYRIGHT 2008 by Karin Buchholz

(*)
Für alle, die das Hamburger Abendblatt vom 25.06.2008 nicht gelesen haben, hier der Leitartikel (Auszug: Aufruf „Freundschaft siegt“):

Zitat Anfang

FREUNDSCHAFT SIEGT
Worte wie Gold: „Lasst uns ein großes Fußballfest feiern!“ Bayern-Star Hamit Altintop hat sie gesagt, der Spielmacher der Türken, die heute Abend auf dem Rasen unsere Gegner sind. Auf dem Rasen.
Wir leben zusammen, stellenweise eng, sehr eng – wobei wir uns doch auch stark unterscheiden. Oft schlagen Funken dabei, und in manchen Köpfen und Herzen nistet das Vorurteil. Heute ist der Tag, an dem wir uns mit anderen Augen sehen. Bitte nichts falsch verstehen. Wir, die deutsche Mannschaft, wollen Euch schlagen. Ihr, die türkische Mannschaft, wollt uns schlagen.
Das isst das Fest des Fußballs auf dem Rasen. Lasst es uns feiern und daraus lernen für die Zeit nach dem Abpfiff.
Altintops Botschaft ist ein Plädoyer für das richtige Zusammenleben.

Menso Heyl, Chefredakteur

P.S. Eines sollten alle wissen: 22 Mann laufen dem Ball hinterher, und am Ende gewinnen die Deutschen.

Zitat Ende.




About

"Ich kenne nichts auf der Welt, das eine solche Macht hat, wie das Wort. Manchmal schreibe ich eines auf und sehe es an, bis es beginnt zu leuchten." *Emily Dickinson